Schwanger nach der Weihnachtsfeier

Was für eine Headline, oder? Da werden schon die ersten Ansprüche an den Text gestellt. Nur Geduld! Zunächst mal: Ja, es ist Weihnachten! Auch wenn es meiner streng katholischen Erziehung widerstrebt soetwas zu behaupten, aber es ist so.

Wann ist es mir aufgefallen? Weihnachtsmarkt? Weihnachtsmänner im Supermarkt? Schnee? Falsch, Falsch und nochmal falsch. Sergej hat mich darauf gebracht. Sergej ist ein sehr kreativer Mensch, ein Geschäftsmann noch dazu, denn er ist als Obdachloser unterwegs. Aber nur zu Weihnachten, sozusagen als Saisonkraft. Ich habe ihn vor zwei Jahren das erste Mal gesehen, da hatte er eine ALDI-Tüte um seinen linken Fuß gewickelt, ging humpelnd am Stock. Einige Wochen später sah ich ihn ohne die Tüte und Stock. In diesem Jahr habe ich ihn bereits zweimal gesehen, den Sergej. Kürzlich mit einer Aldi-Tüte (Wiedererkennungswert!) und dann gestern Nachmittag.

 

Ich gönnte mir DAS WEIHNACHTSORATORIUM BWV 248 von Bach, Sonntag - 15 Uhr - Familienvorstellung. Und das natürlich an einem Ort, der nicht besser auf der Welt sein könnte: Thomaskirche, dort wo Johann Sebastian Bach auch begraben liegt.

Nach diesem phänomenalem Konzert (Hinterschiff, Reihe 8, Platz 314) wollte ich zurück zum Sender und da sah ich Sergej erneut: Diesmal ohne Tüte - aber wieder mit Stock, diesmal so stark gebückt, dass er mit dem Kopf fast den Boden berührt. Einen Becher mit einigen Münzen kann er noch halten. Ich lächle ihn freundlich an, er lächelt zurück - natürlich ein bißchen wehleidig. Ich bin gespannt, was er in Planung hat für die kommende Saison ...

Ich bin wieder fit. Danke der Nachfragen. Die Weihnachtsfeier hat sicherlich viele etwas aus der Bahn geworfen. Schuld daran: Sicher nicht nur die Euphorie über die Tombola und den gewonnen Flachbildschirm (nicht ich) oder das Navi (nicht ich), diese Nintendo-Teile (nicht ich) oder einen neuen Wasserkocher. Nein, es war einfach eine grandiose Stimmung. Tolle Leute, gute Gespräche und dazu die ein oder andere Schorle. Wann ich zuhause war, weiß ich nicht. Nur soviel: Meine Zeitungen waren schon im Kasten.

 

Was ist an so einer Weihnachtsfeier immer noch das Beste? Richtig, die Auswertung am Morgen danach mit jemandem, der nicht ganz so abgestürzt ist, wie man selbst. Denn dann gehts los ...

1: Schon gehört? XXXXX hat mit YYYYY rumgeknutscht!
2: Echt, XXXXX aus der Dispo? War ja klar ...
1: Ja, und dann waren auch XXXX und YYYY gemeinsam verschwunden. Die standen nachher gemeinsam vor dem Klo und irgendwann waren sie mal verschwunden ...
2: Quatsch, sach sowas nicht!
1: Doch! Ohne Scheiß, hat mir XXXXX erzählt ...


Heute ist der erste Arbeitstag nach der Feier, mal sehen, was da noch für Geschichten rauskommen. Mir isses eigentlich egal. Ich hab mich benommen, niemanden beleidigt und vor allem habe ich im Gespräch mit dem Geschäftsführer nicht erwähnt, dass ich es gerade sehr langweilig mit ihm finde ... Ich nicht!

 

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