30.05.2010
„Wie? Mein Flug geht heute nicht?“, ich stocke etwas und gucke den Taxifahrer mit müden Augen an, als hätte er mich gerade nach meiner PIN für die EC-Karte gefragt.
„Auf meinem Ding hier steht nüscht von nem Flug nach Burgas früh um sechse ...“ – er deutet auf sein Navi, das offenbar auch die Flüge vom Leipziger Airport anzeigt. Aber eben nicht alle, wie sich zwei Stunden später herausstellt.
Denn dann sitze ich im Flieger, bin absolut gechillt, habe mir beim Warten noch neue Musik runtergeladen. Ich ignoriere sogar das nervende Balg hinter mir, das mit seinen Tritten nervt. Als wir landen, vermeldet die Stewardess die Außentemperatur: 16 Grad. Ein Raunen geht durch die Menge, willkommen am Sonnenstrand in Bulgarien!
Das Hotel ist durchaus okay, alles nicht sonderlich schick, aber sauber und in Ordnung. 4 Sterne, all inclusive. Bei meinem ersten Besuch der Bar bemerke ich, dass ich einen Rentner-Urlaub gebucht habe. Ich bin der Jüngste, das Küken, der Hahn im Korb – und ich kann mich super anpassen. Bereits am zweiten Tag richte ich meinen Tagesplan nach den Essenszeiten aus: Bis 10 stehe ich auf und frühstücke ich, dann geht’s um 12.30 Uhr zum Lunch, 16 Uhr gibt’s Pizza bei der Tea-Time und ab 18.30 Uhr Abendessen.
Die Animateurin Ina hätte den Gästen doppelte Pension anbieten können, jetzt gleich hier bar und sofort – wenn das Angebot um 16 Uhr gekommen wäre, hätte es keinen interessiert: Tea Time!
Wie bei einer Kaffeefahrt mache ich brav alles mit und checke die anderen Gäste aus. Fast alles Deutsche, nur einige Jugendliche kommen aus Schweden (bin also doch nicht der Jüngste an Bord, verdammt!). Am Nachbartisch bekomme folgenden Dialog mit und muss mich dabei fast übergeben: „Willscht a Kaffee? Ich bestell mir rasch a Schnaps dazu, wenn de magscht, kannst mal koschte!“ – Schwaben. Na super.
Ein weiteres Gespräch bekomme ich mit: Eine ältere Dame sitzt ihrem Mann gegenüber und sagt Folgendes:
„Hotel? Ja, ist gut ... sehr sauber. Da kann man ja auch, aber nein! Strand? Ja, gute 250 Meter über den Steg, schön, aber es gibt keine Strandbar, du musst also für jedes Getränk zurück ins Hotel! Kommen wir nun zum Essen! Nicht so viel Auswahl, gerade wenn ich zum Pudding schaue, aber gut. Ist ja Vorsaison. Pool? Geht so, wenig Liegen, möchte nicht wissen, wie das hier aussieht, wenn die ausgebucht sind!“
Ich gehe fest davon aus, dass sie telefoniert und kriege den Mund nicht mehr zu, als ich merke, dass sie es nicht tut. Ihren Göttergatten scheint es nicht zu interessieren, der futtert einfach nur, sagt nichts dazu. Arbeitet sie für ein Reisemagazin und geht die Punkte durch? Ist das ein Breefing für ihren Mann, damit er weiß, was er zu antworten hat, falls die Tochter anruft?
Zurück an der Poolbar. Da arbeitet Vasco. Er ist Mitte 40 und verdammt freundlich, spricht gut Englisch und ist wirklich sympathisch. Dort bin ich immer, wenns mal regnet oder ich abends noch nicht in die Falle will. Vasco kennt Leipzig und hatte mal eine Liebschaft in Markranstädt. Irre. Vasco hat den besten Vodka des Landes und mischt prima Cocktails.
Außerdem waltet an der Poolbar den ganzen Tag eine wirklich sehr dicke Frau (sorry, aber da hilft auch große Handtuch nicht, dass sie sich umgebunden hat). Sie hat immer einen Drink in der Hand und singt zu allem mit. Egal ob „Vamos a la playa“ oder „Don’t cry for me Argentinia“ – dazu tänzelt sie die Bar entlang. Sie scheint wie eine Kunstfigur aus Little Britain.
Ein Herr Mitte 40 kommt aus dem Pool und hat offenbar Wasser ins Ohr bekommen. Er schüttelt den Kopf nach rechts, hat damit offenbar keinen Erfolg und macht man etwas, was wirklich selten dämlich aussieht: Er hüpft ernsthaft auf einem Bein und schüttelt dabei noch den Kopf. Das macht er fast eine Minute lang ... ich krieg mich nicht mehr ein! Was hab ich hier gebucht? Pension Schöller?
Bingo, Ingo!
Am Abend lasse ich mich breitschlagen und spiele mit Senioren aus Hamburg und dem Rheinland Bingo. Das erste Mal! (Uuuuuhh das ist ein Bingo!!!). Ingo aus Duisburg gewinnt die Pulle Champus, macht aber keine Anstalten sie noch an dem Abend zu öffnen. Auch ohne wird es wirklich ein wunderschöner Abend.
Auf dem Weg treffe ich die Animateurin und wünsche ihr ein „Good night and good luck“ – sie bleibt daraufhin stehen und guckt mich ängstlich an. Ich erkläre ihr dann, das es ein Filmtitel ist und sie nun ganz beruhigt schlafen gehen kann ...
Am nächsten Tag rächt sie sich. Sie sorgt für die Beschallung am Pool und als neben Shakira, Britney Spears und anderer Sommermugge auf einmal The Fray anklingen („How to save a life“), da werde ich kurz wehmütig, lege mein Buch weg und will das richtig genießen. Doch was ich höre ist: „Step one, you say we need to talk, you“ *knacks* ... nächster Song. Danke!
Dennoch, oder vielleicht deswegen: Es waren tolle Tage bei hervorragendem Wetter und guten Menschen. 5 Sterne, gerne wieder! Danke auch für den exklusiven Rückflug, 21 Menschen in einer großen Maschine und eine großartige Nebelshow IM Flugzeug ...