Die Abrechnung!

Ich habe lange auf diesen Tag gewartet! Ich habe immer geschworen: Eines Tages räche ich mich!

 

 

An Euch!!!

 

 

Was für ein Einstieg für eine Kolumne! Auch wenn es ein wenig nach Stoibers-Rache klingt, handelt es sich hierbei nur um den Rachefeldzug eines ehemaligen Supermarktkassierers. Wenn man dort, so wie ich bis vor einigen Monaten, an einer Kasse sitzt, erlebt man ne Menge.

 

Gleich am Anfang eine These, die an Direktheit auch von Frank Plasberg nicht übertroffen werden kann: Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben das Lächeln verloren!

 

Die meisten sind deprimiert, können weder „Guten Tag", noch „Danke" oder „Tschöö!" sagen, sondern schleichen sich so durch die Hartz-IV-Welt.

 

Es ist auch erstaunlich, wie viel Leute an einem Tag in einen Supermarkt kommen. Bewundernswert auch die Vergesslichkeit!

 

Da kommt es schon mal vor, dass man wegen sechs Brötchen noch mal in den Supermarkt fährt – auch wenn man zwanzig Minuten dafür fährt. Doch beginnen wir doch mal einen Tag ganz vorne:

 

 

8.30 Uhr öffnet der Einkaufstempel. Bereits zehn bis zwanzig Minuten vorher versammeln sich – vor allem Senioren – mit dem Einkaufswagen vor den Türen und warten und warten und warten. Und schimpfen dann auch schon mal, wenn um 8.29 Uhr noch immer nicht geöffnet ist. Dann schiebt der Kunde den Wagen vor sich her, kauft irgendwelchen Kram ein, passiert um 8.34 Uhr die Kasse und setzt sich dann auf die Wartefläche und wartet und wartet und wartet ... auf Godot, den Tod oder jemanden, der Abos vertickt.

 

 

Doch zurück zur Kasse. Ich kann nur jedem, der Soziologie studiert, empfehlen an der Kasse zu arbeiten. Man lernt unheimlich viel. Typisches Beispiel: Die nette Kassiererin (ja, es gibt dafür noch keinen englischen Begriff, sorry!) muss den Kunden fragen, ob er den Kassenbon haben will (das sehen die Bestimmungen so vor). Das hat man ihr so eingetrichtert. Es gibt nicht wenige Ehepaare, wo der Mann diese Frage mit einer Handbewegung abtut („Brauchen wor nich") und die Frau dann im Vorbeigehen den Bon einsteckt. Und bitte, liebe Leser, wenn man Euch fragt: „Brauchen Sie den Kassenbon?", antwort niemals mit: „Nö, krieg ich ja nicht wieder!"!!! Ganz wichtig. Diesen Satz hört man an der Kasse bis zu 250 Mal ... und dann ist selbst dieser Kalauer nicht mehr witzig.

 

 

Sehr schön war auch einmal ein Kunde, der bei mir an der Kasse war. Da mein Kleingeld knapp war, fragte ich ihn, ob er 29 Cent vielleicht klein hätte. Der Mann nahm sein bis zum Get-No gefülltes Portmonaie (wirklich: Das Münzfach ging gerade noch zu; vielleicht hatte er zuvor die Kirchenkollekte geklaut) und sagte: „Muss ich mal gucken!".

 

Ich hätte meine linke Hand darauf verwettet! „Muss ich mal gucken!" – er hatte 29 Cent klein! Natürlich. Dieser Mensch gehörte übrigens zu dem Klientel von Kunden, die an eine Kasse fahren und die Ware aufs Band packen, obwohl die Schranke geschlossen ist und auch keine Kassiererin dort sitzt ...

 

 

Ein anderer Rentner kam eines Tages mit einem völlig leeren Wagen an die Kasse, schaute mich an und sagte: „Huch, jetzt hab ich was vergessen!" – Bitte wiiiiie??? WAS vergessen?

 

 

Und JA! Natürlich haben Kassierer untereinander eine eigene Sprache und machen sich über Kunden lustig: Outfit, Geruch, Auftreten, Inhalt des Wagens, anwesende Kinder, Ehepartner etc. Doch davon erzähle ich ein anderes Mal!

 

 

PS: Wem ist aufgefallen, dass in den ersten Zeilen gleich dreimal das Wort RACHE auftritt?

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