Originaltitel: Watchmen
Herstellungsland: UK / USA / Canada 2009
Länge: 163 min.
Regie: Zack Snyder
Vorlage: Alan Moore (graphic novel), Dave Gibbons (graphic novel illustrations)
Darsteller: Malin Akerman, Billy Crudup, Matthew Goode, Jackie Earle Haley, Jeffrey Dean Morgan, Patrick Wilson
Der Comedian #Fotos: Kinoveranstalter#
Bei den Watchmen sieht die Realität im Jahre 1985 etwas anders aus: Die USA haben den Vietnamkrieg gewonnen, Richard Nixon ist noch immer Präsident und ein Atomkrieg mit der Sowjetunion steht kurz bevor. Dazu gibt es ein neues Gesetz, den so genannten Keen-Act, der Helden in Strumpfhosen verbietet.
Die kleine Gruppe der Superhelden, die sich auch liebevoll als die „Watchmen" bezeichnen, ist also zerrüttet und zerstreut: Da wären zum einen der batmaneske Nite Owl II (Patrick Wilson), die schöne Silk Spectre II (Malin Akerman) und der intelligenteste Mensch der Welt, Ozymandias (Matthew Goode), die sich allesamt ins Privatleben zurückgezogen haben.
Zum anderen sind da noch Der Comedian (Jeffrey Dean Morgan) und Dr. Manhattan (Billy Crudup), die im Dienste der Regierung aktiv bleiben. Bis Der Comedian eines Tages in seinem Apartment ermordet aufgefunden wird.
Das wiederum ruft den Querschläger Rorschach (Jackie Earle Haley) auf den Plan. Der einzige der Watchmen, der noch für Recht und Ordnung sorgt und im Untergrund tätig ist. Er vermutet eine fette Verschwörung hinter dem grausamen Tot des Comedian ...
Der Film basiert auf dem 1986/87 erschienenem gleichnamigen graphic novel von Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons, der heute zu den 100 wichtigsten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts gezählt wird.
Das offizielle Plakat
Die Produktionsfirma Twentieth Century Fox sicherte sich zunächst die Rechte an dem Stoff, scheiterte aber an der Umsetzung, weshalb die Geschichte durch mehrere Hände ging und zwischenzeitlich sogar bei Paramount Pictures und den Universal Pictures auf dem Tisch lag.
Schließlich zieht Warner Brothers das große Los und produziert den Film gemeinsam mit Legendary Pictures.
Im Februar 2008 reicht die Fox plötzlich Klage gegen Warner ein und pocht auf ihr Copyright, obwohl sich der Film bereits in der Postproduktion befindet. Alles deutet zu diesem Zeitpunkt auf eine Verschiebung des geplanten Kinostarts auf frühestens 2010 oder gar eine komplette Versenkung des gesamten Materials hin.
Der Richter spricht jedoch Fox Anteile am Film zu und legt den beiden Firmen nahe, sich möglichst schnell und fair zu einigen. Das geschieht letztlich Ende Januar 2009: Warner zahlt an die Fox Schätzungen zufolge einen zweistellige Millionenbetrag und gewährt ihr Anteile am Box-Office.
Der Film kann wie geplant am 05. März 2009 starten.
„Watchmen" wurde ja bereits sehr früh und groß angekündigt, was die Erwartungshaltungen immer mehr schürte. Und tatsächlich ist dem jungen Zack Snyder eine überaus werkgetreue Adaption gelungen, die optisch mit ähnlichen Raffinessen aufwartet, wie sein Überraschungshit „300".
Der ganz große Wurf ist „Watchmen" aber nicht geworden. Die Visual Effects sind gut, aber nicht zwingend richtungsweisend. Okay, die Optik macht schon eine Menge her. Die Bilder sehen chic aus, haben einen tollen Farbfilter und es gibt jede Menge Kamerafahrten durch irgendwas hindurch oder hinauf oder hinab.
Optik macht schon was her ...
Haufenweise Slow-Mo´s tun ihr übriges. Gerendert ist der Film an so ziemlich allen Ecken und Kanten, sodass man das Gefühl hat, dass nur noch die Protagonisten digital ins Bild gesetzt werden und selbst das auch nur zu einem gewissen Teil.
Denn Dr. Manhattan beispielsweise, der von Billy Crudup verkörpert wird ist im Prinzip komplett digital. Crudup hat nur das „Profil" geliefert, indem man ihm haufenweise Dioden ins Gesicht drückte und so seine Gesichtsformen quasi abgescannt hat.
Dr. Manhattan ist nebenbei bemerkt übrigens der Einzige der Watchmen, der mit übersinnlichen Kräften ausgestattet ist. Ständig blau leuchtend und nackt durch die Gegend spazierend, kommt er inklusive Gehänge daher.
Silk Spectre II
Und überhaupt treten immer wieder Dinge im Film auf, die etwas merkwürdig sind: Sehr befremdlich auch die Stelle, an der plötzlich „99 Luftballons" von Nena einsetzt. What the fuck???
Aber hey: „Watchmen" bricht mit allen bisher da gewesenen Comicverfilmungen und ist nicht mit Actionszenen überfrachtet wie seine Kollegen „Fantastic Four" oder sensibel kitschig wie „Spider Man".
Auch die Helden sind keine klassisch eindimensionalen Menschen- und Weltenretter. Vielmehr werden sie vermenschlicht, indem ihnen Fehler angeheftet werden. Sie werden von Snyder oder eher von Moore in die Realität einbezogen und es wird deutlich, wie die Welt nun mal aussieht, durch ihre Existenz.
Der Comedian ist ein arrogantes Arschloch, das ohne jede Moral wahlweise tötet. Dr. Manhattan kommt irgendwie nicht klar und ist emotional unterkühlt, weshalb er sich von seiner Geliebten Silk Spectre II entfernt. Die wiederum hüpft mit dem Nite Owl II ins Bett (eigentlich ins Raumschiff) der anfangs nicht gerade vor „Stehvermögen" strotzt, nur um dann mit ihm eine Nummer nach der anderen (sehr sehr freizügig) zu schieben und so weiter und sofort.
Die stärkste Figur ist aber Rorschach. Das liegt wohl am genialen Jackie Earle Haley und am Facettenreichtum seiner Figur. Er gibt den paranoid brutalen aber stets um Gerechtigkeit bemühten Detektiv, der schon mal zum Beil greift, um den Schädel eines Kinderschänders zu spalten.
Ich könnte jetzt noch ewig so weiter machen, aber ich sage es kurz: Jede Figur wird charakterisiert und in kleinen Episoden und Rückblenden deren Geschichte und Vergangenheit näher beleuchtet.
Snyder verzichtet bewusst auf Stars und konzentriert sich auf seine Handlung, die ziemlich komplex daherkommt. Wie bereits erwähnt bricht er mit gängigen Klischees von Comicverfilmungen. Sein Film ist dabei brutal und sexuell offenherzig. Die Helden sind grausam und die Schurken die Samariter.
Was fehlt ist eine Handschrift - eine persönliche Note. Etwas Eigenständiges. Eine 1:1-Umsetzung, wie „Watchmen" sie nun einmal ist, kann von daher auch keine oder nur wenig Individualität mit sich bringen.
Auf der Strecke bleibt dazu noch etwas, was viele Filmemacher heutzutage des Öfteren aus den Augen verlieren - die Dramaturgie. Die Handlung ist komplex, aber wird nur schleppend vorangetrieben. Das Tempo fehlt an gewissen Stellen.
Doktor Manhattan
Rückblick: Es hat Jahre gedauert, bis sich ein passendes Studio gefunden hat, was den Film realisiert. Große Regisseure wie Terry Gilliam oder Darren Aronofsky haben sich schon am Stoff der „Watchmen" versucht und sind gescheitert. Zack Snyder schafft es aber mit viel Mut, Ehrgeiz und Herzblut sich so nah, wie nur irgend möglich, an die Comicvorlage zu halten, punktet damit natürlich bei ihren Fans und setzt dem Meilenstein der graphic novels ein Denkmal.
Dieser Mut soll belohnt werden, deshalb gebe ich dem Film mal 5 von 7 Siebenen. Außerdem macht der Film Spaß und drängt sich dem Zuschauer nicht mit sinnlosem Action-chic oder zum Kotzen idealisierten und idealisierenden Superhelden auf.
Fazit: Werkgetreue Hommage an die Comicvorlage, die mit den interessantesten Charakteren des Genres daherkommt.
08.03.2009
007elix gibt dem Film 5 von 7 Siebenen