Originaltitel: Wall-E
Herstellungsland: USA 2008
Länge: 98 min.
Regie: Andrew Stanton
Buch: Andrew Stanton, Pete Docter
Um ehrlich zu sein, geht mir mittlerweile diese ganze Flut an Animationsfilmen tierisch auf den Nerv. Gerade bei Filmen wie "Madagascar" musste die gute Idee flachen amerikanisch-kindlichen und definitiv teilweise dummen Gags weichen. Andere Geschichten habe ich mir nicht mal bis zum Schluss angesehen, wie zum Beispiel "Ab durch die Hecke". Den grausamen "Karate Panda" oder wie auch immer er richtig heißt, hab ich nach 10 Minuten ausgeknipst. Da sind doch Filme von Pixar geradezu ein Segen.
Von "Toy Story" über "Die Monster-AG" (von Wall-E-Autor Pete Docter), "Findet Nemo" (auch von Andrew Stanton), "Die Unglaublichen" bis jüngst "Ratatouille" sind die Computer-Nerds aus Emeryville noch nie auf die schiefe Bahn geraten, was den Erfolg an den Kinokassen betrifft.
Das gleiche gilt auch für den kleinen sympathischen Aufräumer "Wall-E" (übersetzt: Waste Allocation Load Lifter Earthclass). Circa 700 Jahre räumt er nun schon die Erde auf und er ist der letzte seiner Art. Die Erde ist ein wüster, sogar beklemmender Schauplatz geworden. Keine Menschenseele mehr weit und breit, keine Vegetation, eigentlich nichts. Nur Müll und Wall-E. Und bei seinem Anblick weiß man nicht mal so genau, ob er nicht auch Müll ist. Das ist er aber ganz und gar nicht.
007elix neben Wall-E
Sprechen kann er nicht wirklich. Aber er ist nett, sympathisch und wirkt zugleich greifbarer als alle Figuren, die George Lucas je erschaffen hat. Der Tagesablauf von Wall-E sieht ungefähr so aus:
Jeden Morgen fährt er in die Welt hinaus um Müll zu sammeln, zu kleinen Würfeln zusammen zu pressen und daraus große Schrott-Berge in Form von Wolkenkratzern, die es schon lange nicht mehr gibt, zu
bauen.
All das tut er mit einer Präzision und vor allen Dingen so unerschöpflich, wie es nur ein Roboter tun kann.
Jedoch wirkt er stets menschlich, weil neben seiner Mission, die Erde
aufzuräumen, ein kleiner Romantiker in ihm durchblitzt. Er sammelt nämlich Kleinigkeiten wie Löffel, Schachteln oder einen bunten Dreh-Würfel, die er allesamt in seiner "Wohnung" (einer Art
Container), wie in einem Museum lagert. Sein einziger Freund ist eine Kakerlake, um die er sich aufopfernd kümmert und jeden Abend sieht er sich einen rührenden Ausschnitt aus dem Musical "Hello
Dolly" auf VHS an.
Musik hört er über einen "alten" iPod und wenn er morgens aufsteht startet er stets mit dem Betriebssystem Mac OSX - beides eine Hommage an den Apple-Konzern. Es steckt so viel Liebe zum Detail in
diesem Film. Jede Szene enthält etwas Verstecktes oder eine Referenz. Das Äußere von Wall-E ist zweifellos an "Nummer 5 lebt" angelehnt. Die Einsamkeit, die in ihm steckt, haben wir in ähnlicher Form
auch schon bei "E.T." miterlebt und die schauerliche Atmosphäre auf der Erde ist inspiriert von Samuel Becketts "Warten auf Godot".
Das offizielle Filmplakat
Wall-E's Leben gerät völlig aus den Fugen, als er die High-Tech-Roboterdame EVE (Extra-terrestrial Vegetation Evaluator) kennenlernt. Sie kommt auf die Erde, um, wie ihr Name schon andeutet, nach Leben bzw. Vegetation zu suchen. Zwar hat sie auch Gefühle, wie der kleine Müllmann, aber ihre Aufgabe hat höchste Priorität.
Wie Wall-E versucht, sie ständig zu beeindrucken oder ihr näher zu kommen ist sowohl komisch, als auch unendlich romantisch. Das Abenteuer beginnt für ihn allerdings erst, nachdem er EVE eine Pflanze zeigt, die er beim Müll sammeln gefunden hat und sie diese Pflanze zur Raumstation AXIOM bringt. Die Axiom ist ein Luxus-Weltraumschiff, in dem sich die Menschheit verschanzt hat, um weiterhin zu existieren.
Dort gibt es schlichtweg alles: Einen riesengroßen Pool, Fahrgestelle für jeden Menschen, um nicht laufen zu müssen, Essen in flüssiger Form aus Bechern usw. Selbstkritik mit einer Prise Humor an der eigenen Gesellschaft nennt man so etwas, denn durch den puren Wohlstand sind natürlich alle Menschen dick, können nicht mal mehr laufen und sind quasi abhängig vom System, das sie sich selbst erschaffen haben. Sogar kritisch können Trickfilme heutzutage sein - unglaublich.
Vom aktuellen globalen Thema der Umweltverschmutzung und dem daraus resultierenden Klimawandel ganz zu schweigen. Dass unser kleiner Wall-E in dieser Welt alles durcheinander bringt, brauche ich
wohl nicht zu erwähnen.
Der Film wird an keiner Stelle langweilig oder langatmig. An Tempo verliert er auch nicht. Selbst das Ende ist weder platt, noch dünn geraten.
Die Geschichte ist schier unglaublich, aber das kennen wir ja nicht anders von Pixar. Die Musik von Thomas Newman und Peter Gabriel ist immer gut und nie aufdringlich. Was die visuellen Effekte
anbelangt, werden hier neue Maßstäbe gesetzt. Und genau das ist es, was den Film so einzigartig macht. Ohne die vielen kleinen Details würde diese Rechnung aber dennoch nicht aufgehen.
Die Arbeit der Macher ist also ohne weiteres als gigantisch zu betrachten. Man kann gar nicht ausdrücken, was dieser Film alles transportieren kann.
Auf jeden Fall ist er vom Anfang bis zum Ende romantisch, aber nie kitschig, lustig ohne unfreiwillig komisch oder aufgesetzt zu sein und vor allen Dingen glaubhaft und sehr sehr greifbar.
007elix,
Oktober 2008
007elix gibt dem Film 6 von 7 Siebenen