Herstellungsland: USA 2008
Länge: 166 min.
Regie: David Fincher
Buch: Eric Roth
Darsteller: Kate Blanchett, Julia Ormond, Elias Koteas, Jason Flemyng, Elle Fanning, Brad Pitt, Tilda Swinton
Brad Pitt als "alter" Matrose. ##Fotos: Kinoveranstalter, Presse##
Benjamin Button (Brad Pitt) kommt als Opi zur Welt, um als Hosenscheißer einen Abgang hinzulegen ...
Ja... das war´s dann auch schon fast an Handlung.
Was hat mich dieser Mann beeindruckt in seiner bisherigen Karriere.
Mit seinem ersten Spielfim "Alien 3" hat er bewiesen, dass er als Nachfolger von Ridley Scott und James Cameron, die jeweils die beiden ersten Teile inszenierten, ein würdiges Sequel hinlegen kann.
1995 schreibt er mit "Sieben" Kinogeschichte und treibt in seinem düsteren Thriller Morgan Freeman und Brad Pitt zu Höchstleistungen.
Regisseur David Fincher
Es folgt ein weniger beachtetes Psycho-Verwirrspiel namens "The Game" mit Michael Douglas und Sean Penn. Eine Herausforderung an den eigenen Verstand.
Schließlich pustet mich Fincher endgültig aus dem Kinosessel als 1999 "Fight Club" die Leinwand sprengt. Was für ein geiler Film!
"Panic Room" fand ich dann ganz solide und auf jeden Fall nicht so schlecht, wie das Echo erst annehmen lies. Tolle Ideen und Spielereien übrigens.
Mit "Zodiac" hat sich der 46-jährige Regisseur dann zum ersten Mal an einen anspruchsvolleren Stoff gewagt. Vehement erzählt er, wie sich drei aufrichtige Männer (Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr.) bis zur Selbstaufgabe mühen, einen Serienkiller aufzuspüren.
Nun also "Benjamin Button"...
Nachdem mich die Grippe ans Bett gefesselt hatte und ich somit vorerst Filme wie "Changeling" und, eine Woche später, die Premiere von "Benjamin Button" verpasste, habe ich es endlich geschafft, mir den Letztgenannten anzusehen. An der Kinokasse sehe ich einen schriftlichen Hinweis, den ich so was von überhaupt nicht lesen will:
"Wir zeigen den Film ´Der Seltsame Fall des Benjamin Button´ mit einer 10-minütigen Pause..."
Da ich es nicht so schnell in ein alternativeres Lichtspielhaus schaffe, beschließe ich die Kinokarte zu kaufen. Nicht 50 Cent Aufschlag, sondern 1 Euro, wegen Überüberlänge.
Das offizielle Filmplakat
Es ist bereits 20 Uhr, der Saal ist gut gefüllt, was mich wenig stört, denn ich suche mir den besten Platz in der Menge zwischen den Menschen, die immer in ihrer Popcorntüte rumfummeln.
Als der Film endlich beginnt, freue ich mich wie ein kleines Kind (wer nicht weiß wieso, bitte den oberen Absatz über David Fincher lesen). Was ich anfangs sehe, gefällt mir gut. Das Exposé sieht so aus: Ein Uhrmacher baut eine riesige, klassisch schöne Bahnhofsuhr. Als sie schließlich unter hunderten Zuschauern angebaut und eingeweiht wird, beginnt das erste Ticken, die erste Sekunde und alle darauf folgenden, rückwärts zu laufen.
Ich denke: "Cool - ein schöner Einstieg, eine tolle Metapher auf Benjamins Leben...", das in der darauf folgenden Szene sogleich beginnt - mit dessen Geburt.
Es kommt, wie´s kommen muss: Den verschrumpelten jungen Opa will keiner und er wird vom Papi (Jason Flemyng) - wie passend - in einem Altenheim ausgesetzt.
Dort wächst er auch auf und wird, wie jeder weiß, von Tag zu Tag jünger. Anfangs düst er noch in einem Rollstuhl durch die Pampa von New Orleans, bis er in einer kleinen religiösen Runde vom Pfarrer aufgefordert wird, seine ersten Schritte zu machen. Das tut er und zum ersten Mal finde ich eine Szene im Film richtig scheiße.
Sie funktioniert so ziemlich genauso, wie die in "Forrest Gump": Der kleine Forrest hat Schienen an den Beinen und beginnt auf einmal damit loszusprinten.
Dann gibt es einen Running-Gag: Ein verwirrter Mann aus dem Seniorenstift berichtet Benjamin, dass er bereits sieben Mal in seinem Leben vom Blitz getroffen wurde. In Rückblenden, die in
kaffeebraunen Bildern gefiltert sind, sieht man immer ein oder zwei Situationen, in denen ihm das passiert ist. Das ist zeitweilig saukomisch und für mich so ziemlich der einzige
Lichtblick.
Brad Pitt alias Benjamin Button
Nach knapp einer Stunde Laufzeit gibt es dann auch schon die angekündigte Pause und ich bin zum ersten Mal echt froh darüber, weil so wirklich passiert ist bis dahin eigentlich gar nichts.
Als Benjamin endlich „Erwachsen" und auch ausgewachsen ist und dabei schon fast volles Haar hat, zieht er hinaus ins (Matrosen-) Leben inklusive einer Weisheit von seiner farbigen Ziehmami im Gepäck: „Man weiß nie, was das Schicksal für einen bereit hält..." Was für ein tiefsinniger Satz. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ach nein: „Forrest Gump" vielleicht? „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie, was man kriegt..." Mir wird langsam schlecht. Ich nehme einen großen Schluck aus meiner Plastikflasche Apfelsaftschorle ...
Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass Benjamin vorher noch ein kleines Mädel namens Daisy (Elle Fanning) trifft. Er verliebt sich natürlich in sie. Eigentlich sind die beiden ja im gleichen Alter, das Problem ist aber, dass Benji aussieht wie eine Kreuzung aus Gollum und Gandalf.
Pitt & Blanchett
Naja. Er spielt dann ein bisschen Seemann, wird dabei äußerlich immer jünger und hat sein erstes Tächtelmächtelchen (Tilda Swinton) und als er nach Hause zurückkehrt, passt seine Jungendliebe Daisy (jetzt Cate Blanchett) perfekt zu ihm, weil sich die zwei in der Mitte ihres Lebens treffen. Natürlich dauert es ein wenig, bis das scheinbar so perfekte Paar, endlich zueinander findet - die Filmlänge muss ja gerechtfertigt sein.
Das Problem des Films habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt: Es wird mehr gezeigt, als dass tatsächlich etwas ist. Vieles wird vorgegeben so sein zu müssen, als dass ich das als Zuschauer nachempfinden kann.
Übrigens widerfährt Daisy ein kleiner Unfall (sie wird von einem Auto angefahren), der zur Folge hat, dass sie nie wieder tanzen kann. Diese Szene wiederum klaut man ganz arrogant bei „Die Fabelhafte Welt der Amelie": Hätte Daisy nicht den Zettel, der im Treppenhaus lag, aufgehoben und gelesen ... dann hätte der Wagen sie nie erfasst ... und hunderte weitere solcher konjunktiven Blabla-Sätze. Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits tierisch genervt.
Dass diese Beziehung unter einem schlechten Stern steht und zugleich nur „tragisch" enden kann, weiß ich ebenfalls und folglich überrascht es nicht, das Romeo und Julia getrennte Wege gehen müssen.
Kurz vor meiner Erlösung durch das befreiende „Licht an, Vorhang zu" sieht William Bradley Pitt genauso grün hinter den Ohren aus, wie in „Thelma & Louise" - blond gesträhnt, glattes ausdrucksloses Gesicht, ein waschechter Posterboy eben.
Ich beschließe, den Film endgültig zu hassen und Benjamin Button sowohl als Charakter, als auch als Menschen, absolut langweilig und nichtssagend zu finden.
Schlussendlich ist Benjamin nicht lange „jung" und der Film endet mit seinem Tod, als Baby - zumindest physisch gesehen.
„Der Seltsame Fall des Benjamin Button" ist tatsächlich ein überaus seltsamer Fall - nicht nur aufgrund der Geschichte. Optisch macht der Film eine Menge her. Aber ganz ehrlich: Für 150 Millionen Dollar Budget, bekommt das wohl jeder Filmstudent hin.
Viele nette Ansätze (für Näheres siehe Absatz „Mein Kinoabend") führen ins Nichts. Alles wirkt irgendwie verqueer und überhaupt hat der Film weder Handlung, noch Dramaturgie.
Mrs. Blanchett
Dennoch hat man sich, aus mir unerklärlichen Gründen, dazu entschlossen, diesen viel zu langen langweiligen Film, mit allerhand Effekthascherei, herunterzukurbeln. An Substanz fehlt es dem Streifen dabei zu jedem Zeitpunkt.
Was aber definitiv am meisten nervt, ist die Ähnlichkeit zu „Forrest Gump". Weil mir das ein wenig zu geklaut erschien und aufgrund solcher Tatsachen ein Rechtsstreit unter Produzenten sich ähnelnder Filme schon da gewesen ist, habe ich versucht die Lage hierzu zu recherchieren: Die Sache ist aber die, dass Eric Roth, Drehbuchautor von „Benjamin Button", ebenfalls das Script zu „Forrest Gump" schrieb. Und somit ist es wie mit „Benjamin Button" an sich: Alles heiße Luft.
Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn, wie ursprünglich vorgesehen, Steven Spielberg die Regie übernommen hätte und damit zu alter Form hätte zurückfinden können. Dafür hat David Fincher sein Image als Regie-Genie verbaut - wenigstens vorerst.
Wer jetzt meckert, ich sei mit meiner Review zu hart: Seht euch einfach im Netz um - es wimmelt nur so vor Lobeshymnen auf diesen Streifen. Aber mein Fazit lautet: Ein erbärmlicher Film ohne Seele, der nur zwei Dinge ist - Geld- und Zeitverschwendung.
007elix am 16.02.2009
007elix gibt dem Film 2 von 7 Siebenen