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Mitte Ende August

Originaltitel: Mitte Ende August
Herstellungsland: D 2009
Länge: 92 min.
Regie: Sebastian Schipper
Buch: Sebastian Schipper nach Goethes „Wahlverwandtschaften"
Darsteller: Marie Bäumer, Milan Peschel, André Hennicke, Anna Brüggemann, Agnese Zeltina, Gert Voss

Das offizielle Filmplakat Das offizielle Filmplakat

Es ist knapp zwei Jahre her, dass mir zum ersten Mal sein Name direkt aufgefallen ist. Als ich am 2. November 2006 im Kino „Ein Freund von mir" von Sebastian Schipper sah, wusste ich - der wird wieder auftauchen.

 

Okay: „Ein Freund von mir" ist kein Meisterwerk, er hat aber dennoch diese unglaubliche Leichtigkeit und diesen extrem hohen Unterhaltungswert, der natürlich vor allem der Riege um Sabine Timoteo, Daniel Brühl und Jürgen Vogel zu verdanken ist. Hinzu kommt ein cooler Look, der an Tom Tykwers „Heaven" erinnert, was nicht so weit hergeholt ist, denn dieser produzierte auch den Film.

 

Deshalb musste ich Herrn Schipper auch unbedingt fragen, wie er es geschafft hat, den großen Tom Tykwer kennenzulernen. Seine Antwort war kurz und ziemlich präzise: „Ich habe in seinem ‘Winterschläfer' mitgespielt...".

 

Viele wissen nicht, dass Sebastian Schipper, bevor er seine Laufbahn als Regisseur anging, gelernter Schauspieler war. Er besuchte eine Schauspielschule in München, spielte kleine Rollen in „Der Englische Patient" oder „England!" und als es ihn auf den Regiestuhl verschlagen sollte, „sagte Tom Tykwer zu mir, dass ich nur ein gutes Drehbuch schreiben muss und wenn das wirklich gut ist, dann wird mein Buch auch verfilmt".

Regisseur Sebastian Schipper Regisseur Sebastian Schipper

Gesagt, getan. Naja, so einfach war es dann scheinbar doch nicht, denn Sebastian Schipper saß nach eigener Aussage rund drei Jahre an der Arbeit zu seinem Drehbuch. Genützt hat es ihm scheinbar sehr viel. Bei „Absolute Giganten", einer Hommage an die Stadt Hamburg, durfte er sogar selbst Regie führen, was Schipper als „da macht man ja sowieso nichts" bezeichnet - „Die eigentliche Leistung gebührt den Schauspielern".

 

In meinen Augen hat er dabei einen großen Trumpf im Ärmel, denn Schipper ist selbst Schauspieler und weiß sehr genau, wie der Hase am Set läuft und was ihn in die richtige Richtung treibt. Dafür, dass „Mitte Ende August" erst seine dritte Regiearbeit ist, hat er schon mit einer Handvoll großartiger Schauspielerinnen und Schauspieler zusammengearbeitet, von denen er stets Höchstleistungen als Resultat verbuchen konnte.

 

Das soll auch auf „Mitte Ende August" zutreffen.

Bäumer & Peschel Bäumer & Peschel

Frei nach Johann Wolgang Goethes „Wahlverwandtschaften", adaptiert Schipper das klassisch literarische Werk und modernisiert und stilisiert an allen Ecken und Kanten, sodass quasi eine neue Schöpfungshöhe entsteht.

 

Hanna (Marie Bäumer) und Thomas (Milan Peschel) verschlägt es auf das Land, wo sie sich ein kleines Häuschen kaufen, um mehr gemeinsame Stunden zu zweit verbringen zu können. Eigentlich ist das kein so schlechter Plan - ist doch das Haus im Grunde eine Bruchbude, die komplett renovierungsbedürftig ist. Die scheinbare Harmonie wird gestört, als Thomas´ Bruder Friedrich (André Hennicke) und Hanna´s Patentochter Augustine (Anna Brüggemann) zu Besuch kommen...

 

Was leise und langsam beginnt, mündet immer mehr in einer Katastrophe und im vollkommenen Chaos. Der Film ist für den Zuschauer zugänglich, braucht allerdings eine Weile, um seine Kraft zu entfalten. Stellenweise wird es langatmig und die Handlung kommt fast zum Stillstand.

 

Dabei hat man als beobachtende Person immer wieder das Gefühl einen Experimentalfilm anzusehen. Nahezu alle Szenen wirken improvisiert und ich fragte mich während des Filmes, ob überhaupt ein richtiges Drehbuch existiert.

 

Nach dem Abspann verrät Sebastian Schipper, dass er ein vollständiges Drehbuch geschrieben hat und jeder Darsteller seinen Text bekam. 

Die Akteure Die Akteure

Es sind die Kleinigkeiten, die der Geschichte ihren versteckten Charme geben und nicht zu vergessen die bisweilen skurrilen Figuren und das intensive Spiel der vier Haupt- und zwei Nebendarsteller.

 

Komplett unterhalten kann „Mitte Ende August" leider nicht. Dafür gibt es aber ein tolles Ende. Kein dramatischer Kniff oder die große Überraschung, aber für einen deutschen Film immerhin sehr zufriedenstellend.

 

Übrigens wurde für Schipper´s dritte Regiearbeit zum ersten Mal ein Soundtrack aufgenommen. Kein Geringerer als der von Musikkennern hoch geschätzte Vic Chesnutt zeichnete für die musikalischen Untermalungen verantwortlich.

 

Eine letzte Frage muss Sebastian Schipper aber noch beantworten, nachdem er drei „Komödien", wenn man es denn so sagen darf, abgedreht hat. Welches Projekt wird er in Zukunft realisieren? „Ich habe jetzt so richtig Lust, einen düsteren Film zu machen..."

 

Darauf dürfen wir sicher gespannt sein und hoffen, dass er keine drei Jahre braucht, um ein Drehbuch zu schreiben.

 

Fazit: Eine kleine Dramödie die ruhig beginnt und scheppernd endet mit schauspielerischen Glanztaten.

007elix,

So rund um Mitte Ende August 2009

007elix gibt dem Film 4 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Film 4 von 7 Siebenen

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