„Mein Name ist Harvey Milk und ich will Euch rekrutieren.“

Herstellungsland: USA 2008
Länge: 128 min.
Regie: Gus Van Sant
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, Diego Luna, James Franco, Alison Pill, Victor Garber

Franco & Penn ##Foto: Presse/Kinoveranstalter# Franco & Penn ##Foto: Presse/Kinoveranstalter#

Die Person Harvey Milk

Harvey Bernard Milk wurde am 22. Mai 1930 in New York geboren und war ein bekannter amerikanischer Demokrat und Bürgerrechtler, weil er sich speziell für die Rechte der Homosexuellen stark machte.

 

Nach mehreren Wahlniederlagen zwischen 1970 und 1977, ist Milk der erste bekennende Schwule, der in den USA im Jahre 1978 ein Amt bekleidet.

Damals erreichte er unter anderem, dass Lehrer nicht aufgrund ihrer gleichgeschlechtlichen Gesinnung entlassen werden dürfen und ebnete so den Weg der „Gleichstellung" von Homo- und Heterosexuellen, die auch heute noch andauert.

 

Schon kurz nach seinem Amtseintritt in den Stadtrat von San Francisco, wird Harvey Milk am 27. November 1978 vom ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen, nur wenige Augenblicke nachdem dieser den Bürgermeister George Moscone ermordete.

Der Inhalt

Das offizielle Filmplakat Das offizielle Filmplakat

1970: Nachdem Harvey Milk (Sean Penn) mit seinem Freund Scott Smith (James Franco) zusammenzieht, beschließen die beiden ein Geschäft für Fotoapparate im Castro - Viertel von San Francisco zu eröffnen. Das erweißt sich als schwerer als gedacht und schon früh wird der schwule Milk politisch aktiv.

 

Durch Charakter und Sympathie gelingt es ihm, viele Mitmenschen für seine „Bewegung" zu gewinnen, die voll und ganz hinter ihm stehen. So zum Bespiel den jungen Cleve Jones (Emile Hirsch), der einen ähnlichen Sinn für Gleichberechtigung hat, wie Bürgermeister George Moscone (Victor Garber).

Nach vielen vergebenen Versuchen seitens Milk, in den Stadtrat gewählt zu werden, ist besonders der amtierende Stadtrat Dan White (Josh Brolin) eine große Hürde...

Die Kritik

Nachdem es in „Brokeback Mountain" küssende Männer zu sehen gab, geht die Sensibilisierung der Menschheit für Homosexuelle in eine nächste Runde und nun gibt es in „Milk" bereits politisch Aktive. Regisseur Gus Van Sant (selbst bekennender Schwuler) inszeniert sein Biopic über Harvey Milk grundsolide, im klassischen Erzählstil und mit vielen Archiv- und Originalaufnahmen.

 

Dabei sieht Milk in seinen jungen Jahren wie der Revoluzzer Ernesto Che Guevara aus, nur mit einem Megafon bewaffnet, anstatt mit einem MG. Mehr Gemeinsamkeiten soll es im Weiteren nicht geben, denn Milk bleibt auf einem legalen Pfad. Dabei gelingt es Sean Penn außerordentlich, seiner Figur Profil und Tiefe zu verleihen. Das breite und unschuldige Lächeln vom echten Harvey Milk hat er drauf - das muss man ihm lassen.

 

Immer einen frechen Spruch auf den Lippen, aber wenn´s drauf ankommt ist er politisch präzise und fachlich genau, um seinen Gegenspielern auch vor Publikum Kontra zu geben.

Sean Penn Sean Penn

Wenn ich ihn zuvor noch nicht auf der Leinwand gesehen hätte, würde ich annehmen, dass Penn selbst auch schwul ist. Er rundet die Figur von der ersten Sekunde bis in die 128ste Minute komplett ab.

 

Sean Penn kann eben nicht nur Schweinehunde, sondern auch auf alle möglichen anderen Arten sensibel spielen. Ob Vergewaltiger inklusive Mörder (Dead Man Walking), zufälliger und zerrissener Mörder (21 Gramm) oder geistig Behinderter (Ich bin Sam) - Penn hat sie alle intus. Er ist in seinem Element, wenn es entweder ganz hart oder ganz weich werden soll.

 

Den insgesamt durchweg guten Eindruck trübt leider das etwas zu amerikanisch geratene Ende, was sich aber in gewisser Weise auch so zugetragen haben soll. An einigen Stellen fällt es jedoch hinlänglich ins Gewicht und stößt einen ganz leicht vom Geschehen weg.

 

Die Entwicklung des von Josh Brolin verkörperten Attentäters Dan White, der bekanntermaßen Harvey Milk tötete, ist mir irgendwie unklar. Diese Figur bleibt teils sehr blass - ob gewollt oder ungewollt. Für mich muss es nachvollziehbar und spürbar sein, warum jemand aus Wut oder/und Hass mordet.

Szene aus "Milk" Szene aus "Milk"

Unterm Strich ist „Milk" aber ein gelungener Film, der nicht ohne Grund Kritik am konservativen Amerika übt. Erst im vergangenen Jahr wurde mit der „Proposition 8" die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in Kalifornien und anderen US-Bundesstaaten abgelehnt. Was ist bloß los mit den Amis? Mir macht das irgendwie Angst.

 

Fazit: Ein wichtiges Biopic mit übergroßem Sean Penn und starker Tendenz zu 5 Siebenen.

 

007elix,

März 2009

007elix gibt dem Film 4 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Film 4 von 7 Siebenen

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