Bitte nochmal durchladen, Mr. Bond!

Originaltitel: Quantum of Solace
Herstellungsland: UK / USA 2008
Länge: 106 min.
Produktion: Barbara Broccoli, Michael G. Wilson
Regie: Marc Forster
Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Dame Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Anatole Taubman

Der offizielle 22ste Bond ist da: Wie lange habe ich auf diesen Film gewartet ... Nicht nur meines Namens wegen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan der Reihe, aber ich oute mich als Anhänger und Befürworter der Neuinterpretation, seitdem Daniel Craig James Bond sein darf.

 

Ich nehme es gleich vorweg: Es war sicher ein großes Risiko ihn als neuen Bond zu besetzen, aber die Serie brauchte dringend einen neuen Aufschwung nach dem eher glatten Pierce Brosnan und dem extrem schlechten letzten Teil der Reihe mit ihm. Nur kurz zur Erinnerung: Brosnan fuhr mit einem Wagen durch die Pampa, mit dem er sich unsichtbar machen konnte. Hallo?

 

Barbara Broccoli übernimmt (gemeinsam mit ihrem Halbbruder Michael G. Wilson) seit 1995 das Erbe ihres Vaters Albert R. Broccoli, produziert seitdem die 007 - Filme und ist erheblich an der Modernisierung der Reihe beteiligt. So wurde mit Dame Judi Dench erstmals eine Frau als Chefin des MI6 besetzt, 007 bekommt mit Daniel Craig einen harten Kerl, der tötet und gleichzeitig menschlicher und emotionaler sein soll. Die Handlung wird zeitgemäßer und mit aktuelleren Themen fundiert, die Geschichten sind komplexer und als Inspiration und starker Einfluss steht die Bourne - Trilogie Pate.

 

Die ganzen netten Gimmicks und Gadgets, die Bond sonst immer von Q bekommt, lässt man, ähnlich wie bei „Batman Begins", einfach wegfallen.

Marc Forster, Regie Marc Forster, Regie

Wer die Erwartungen im Vorfeld maßgeblich in die Höhe getrieben hat, ist: Meine sehr verehrten Damen und Herren: Forster. Marc Forster. Ein Schweizer, der in Ulm geboren ist und innerhalb kürzester Zeit passable bis großartige Filme nahezu jeden Genres abgeliefert hat. Sein letzter: Das in Afghanistan spielende Drama um zwei unzertrennliche Freunde, „Drachenläufer".

 

Nun zur Sache: Der Film beginnt mit einer Verfolgungsjagd auf den Straßen rund um den Gardasee. Spektakulär inszeniert, mitten im Geschehen. Der Gejagte: 007 (Craig) im Aston Martin. Seine Verfolger: Handlanger des ominösen Mr. White (Jesper Christensen). „Quantum of Solace" beginnt direkt dort, wo der Vorgänger „Casino Royale" aufhört. Es ist also praktisch, sich „Teil 1" vorher noch mal reinzuziehen. Erklären will ich das an dieser Stelle nicht, da die Handlung in „Casino Royale" relativ komplex ist. Was im Übrigen auch für „Quantum of Solace" gilt. Nach dieser Action - Sequenz folgt der berühmte Vorspann - diesmal wieder als Animation - sehr stilvoll und mit Musik von Jack White und Alicia Keys unterlegt.

Im Verhör erfahren M (Dame Judi Dench) und Bond von Mr. White, dass sie es mit einem Verbrechersyndikat namens Quantum zu tun haben. Daraufhin kommt es zum Schusswechsel, bei dem die beiden fast ihr Leben lassen, denn auch in den eigenen Reihen verkehren bereits Söldner des Feindes. Das ist alles nichts Neues.

 

Nichts ist so, wie es scheint und Jason Bourne lässt schön grüßen. Der größte Drahtzieher in diesem bösen Geflecht jedoch ist der Umweltaktivist Dominic Greene (Mathieu Amalric, zuletzt gesehen in „Schmetterling und Taucherglocke"). Dessen Engagement ist natürlich nur Tarnung - eigentlich will er die Wasserversorgung von Bolivien kontrollieren.

Olga Kurylenko Olga Kurylenko

Der MI6 - Agent weiß das natürlich zu verhindern, wird aber hauptsächlich von Rache getrieben, weil er seine Geliebte Vesper Lynd bereits durch Quantum verloren hat. Unterstützung erhält er von seinen Freunden Mathis (Giancarlo Giannini) und dem CIA - Agenten Felix Leiter (Jeffrey Wright), sowie der schönen Camille (Olga Kurylenko), die ihn ständig begleitet. Das zweite Bondgirl ist Strawberry Fields (Gemma Arterton), die jedoch schnell den Löffel abgeben muss, ähnlich wie auch Caterina Murino in „Casino Royale".

 

Es soll wohl neuerdings so sein, dass immer eine der beiden mit 007 schläft und anschließend, relativ nebenbei, stirbt.

 

Im Vorfeld wurde des Öfteren erwähnt, dass „Quantum of Solace" doppelt soviel Action beinhalten soll, wie sein Vorgänger. Was für eine Lüge! Der Film hat sein Tempo und seine Momente, genau wie sonst auch. Außerdem will niemand einen Action - Overkill sehen wie am Ende von „Mr. & Mrs. Smith". Apropos Action: Die ist hier wesentlich solider und „wackeliger" geraten, was wiederum für mehr Realismus sorgt (wieder die Referenz zur Bourne - Reihe).

Mr. Bond Mr. Bond

Mitunter gibt es gigantische Szenen und Einstellungen. So zum Beispiel die Sequenz, in der Bond und der Feind ein Handgemenge haben und kopfüber durch eine Glasdecke auf ein Gerüst fallen. Was allerdings extrem nervt, ist, dass man öfter den Überblick verliert. Wer ist wer im Kampf? Wer sitzt in welchem Auto? In welchem Boot ist Bond gerade? All das sind Szenen, die bisweilen schlecht geschnitten sind.

 

Marc Forster kann sich zudem in vielerlei Hinsicht nicht so recht entscheiden. Er hat keine Erfahrung was Actionfilme betrifft. So sind die Szenen, in denen die Post abgeht oft einfältig und eintönig. Die Charaktere bleiben weitestgehend blass, obwohl genau das die Geschichte vorantreiben soll: Eine komplexere Charakteristik der Figuren. Viel Potenzial wird hier verspielt.

 

Die Rolle des Mathis beispielsweise wird wieder aufgenommen, aber nicht richtig eingebunden und kaum versieht man sich, liegt er sterbend in Bonds Armen. Eine undankbare Rolle für Giannini. Ebenso wie für Gemma Arterton, die kaum in die Handlung eingeführt ist, schon ermordet wird.

 

Und was ist mit Daniel Craig? Er zeigt ohne Zweifel vollen Körpereinsatz. Von der Rache, die ihn treibt, merkt man nicht das Geringste. Bleibt noch sein Gegenspieler Mathieu Amalric: Der sieht aus wie ein Jedermann und Forster sagt: „Das ist die ideale Tarnung". Ja na gut, aber was interessiert es uns, ob er die Wasserversorgung in Bolivien kontrolliert oder nicht?

 

Fazit: Der Film kann einfach nicht halten, was er verspricht. Er ist sehr ambitioniert, aber vielleicht hätte man Marc Forster ja doch nicht alle künstlerischen Freiheiten überlassen dürfen. 007 hat sein Magazin auch nicht zu früh verschossen - er hat nur nicht richtig durchgeladen.

 

007elix,
7.11.08

007elix gibt dem Film 3 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Film 3 von 7 Siebenen

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