Originaltitel: The Imaginarium of Doctor Parnassus
Herstellungsland: UK / CA / FR 2009
Länge: 122 min.
Regie: Terry Gilliam
Darsteller: Andrew Garfield, Christopher Plummer, Lily Cole, Verne Troyer, Tom Waits, Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell, Peter Stormare
Das ist es: Das Kabinett des Doktor Parnassus ##Fotos: Filmverleih, Pressematerial##
Doktor Parnassus (Christopher Plummer) zieht mit seinem Jahrmarktwagenkabinett durch die Pampa, doch in der heutigen digitaltechnokratischen Welt hat niemand etwas für seinen Budenzauber übrig. Weder seine 15jährige hübsche Tochter Valentina (Lily Cole), noch der in sie verliebte Anton (Andrew Garfield) oder der Schaustellerzwerg Percy (Verne Troyer) können daran etwas ändern.
Doch eines Tages finden sie einen dubiosen Kerl namens Tony (Heath Ledger), erhängt unter einer Brücke auf, den sie schließlich wiederbeleben und für sich gewinnen können. Mit Tony brummt das Geschäft, was darin besteht die Kunden durch einen mysteriösen Spiegel in eine illusorische wundervolle Gedankenwelt zu entführen.
Doch Doktor Parnassus verbirgt, dass er sich auf einen Pakt mit dem diabolischen Mr. Nick (genial: Tom Waits) eingelassen hat, um unsterblich zu werden ...
Ex-Monty-Python Terry Gilliam ist dafür bekannt mit seinen Filmprojekten stets und ständig zu scheitern. Obwohl er ein respektabler Regisseur ist, zieht ihn das Pech magisch an. So gibt es mittlerweile ein Dutzend Filmprojekte, die unter seiner Obhut gestorben oder anderweitig verfilmt worden sind. Oftmals bekommt er kein grünes Licht für seine Projekte oder der Geldhahn wird ihm so zugedreht, dass er seine Filme unmöglich realisieren kann.
Regisseur Terry Gilliam
Außerdem sind Produzenten nicht gut auf ihn zu sprechen: Sowohl „Watchmen" als auch „Harry Potter" waren Projekte, bei denen Gilliam die Regie übernehmen sollte - doch man sprach sich letztendlich immer gegen ihn aus. Auch bei „Charlie und die Schokoladenfabrik" ist er Wunschkandidat des Autors, aber die Produzenten wollen keinen Terry Gilliam und engagieren stattdessen Tim Burton.
Richtig übel wurde es für Gilliam im Jahr 2000: Nachdem er bereits mit dem Dreh zu „The Man Who Killed Don Quixote" begonnen hat, wurde das Set durch heftige Gewitter zerstört und die Dreharbeiten mussten für mehrere Tage unterbrochen werden. Außerdem erlitt Hauptdarsteller Jean Rochefort einen Bandscheibenvorfall, konnte somit nicht mehr reiten und musste das Projekt schließlich verlassen. Von diesem grandiosen Scheitern berichtet der beeindruckende Dokumentarfilm „Lost in La Mancha".
Aktuell hat Gilliam die Dreharbeiten zu „Don Quixote" wieder aufgenommen. Diesmal mit Robert Duvall in der Hauptrolle. 2011 soll er in die Kinos kommen.
Unter einem schlechten Stern stand auch „ The Imaginarium of Doctor Parnassus", nachdem Heath Ledger mitten in der Produktion plötzlich am 22. Januar 2008 verstarb. Ein Großteil der Aufnahmen waren bereits abgedreht, doch nicht genügend, um den Film fertig stellen zu können. Kurzerhand änderte Gilliam einige Passagen im Drehbuch und Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell erklärten sich bereit, Ledgers Rolle zu vervollständigen.
Heath Ledger & Gefolge
Zugegebenermaßen bin ich nicht der größte Terry Gilliam Verehrer. Über die Monty Python Filme möchte ich definitiv nicht herziehen, aber „Time Bandits" und „König der Fischer" haben mich eher gelangweilt. „12 Monkeys" halte ich für größtenteils gelungen, aber „Fear and Loathing in Las Vegas" finde ich so sinnfrei wie „Brothers Grimm" nicht gerade überzeugend.
Das offizielle Filmplakat
Bei „Dr. Parnassus" sehe ich die Sache wieder positiver, wenngleich man sagen muss, dass auch der seine Längen hat. Aber, und das ist das Wichtigste, er erzählt eine gute Geschichte, die noch dazu sehr fantasievoll daherkommt und so etwas zu bewerten oder gar zu kritisieren ist geradezu unangebracht oder eben nicht von Nöten. Es ist halt eine fantastische Geschichte.
Gilliams Bilder sind schlichtweg eine Wucht. Ich musste sehr oft an die genialen Bilder denken, die Tim Burton regelmäßig auf die große Leinwand zaubert. Gilliam kann ihm hier annährend das Wasser reichen und steuert, wie ich finde, mit „Dr. Parnassus" einen seiner bisher visuell beeindruckendsten Filme bei.
Klar kommt die Geschichte sehr FAUSTisch daher, tut aber dem Erlebnis keinen Abbruch. Das Ensemble ist natürlich gigantisch: Allen voran Christopher Plummer als quasi Zwillingsbruder von Gandalf, der eine starke und weise Ausstrahlung als Titelgeber aufweist. Als Gast und Teufel kommt Tom Waits hinzu, der doch seinen festen Platz eigentlich in der Musikszene inne hat, aber auch im Kino, ähnlich wie David Bowie, eine überzeugende Figur macht.
Auch Lily Cole, die eigentlich als Model tätig ist, wechselt mal den Job und meistert ihre Aufgabe als Tochter von Parnassus mit Bravour.
Heath Ledger alias Tony
Der Liliputaner Verne Troyer darf auch mal wieder ran, wo es doch sicher schwierig ist als solcher stetige Angebote zu bekommen. Aber er ist einer der Berühmtesten, spielte unter anderem in den „Austin Powers"-Filmen oder „Harry Potter" mit.
Tragisch ist es ohne Frage, dass Heath Ledger während des Drehs verstorben ist, doch muss man sagen, dass es Gilliam auf erstaunliche Art und Weise gelingt, sein Fehlen durch die Präsenz von Depp, Law und Farrell auszugleichen, ohne dass der Zuschauer dies als Bruch wahrnimmt. Ledger spielt den Tony in der realen Welt und immer dann, wenn er durch den Spiegel ins Fantastische gelangt, wechseln sich Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell ab, die immer jeweils in einer Episode spielen.
Christopher Plummer alias Dr. Parnassus
Hinzu kommt noch ein Newcomer: Andrew Garfield gibt den kritischen eifersüchtigen Gefolgen von Parnassus, der hinter dessen Tochter Valentina her ist. Garfield konnte bisher vor allem in Filmen wie „Boy A" und „Von Löwen und Lämmern" punkten.
Von gestandenen Darstellern über die Quereinsteiger, den „Kleinen", das aufstrebende und leider verschiedene Talent, sowie den Ersatz-Cast und den Newcomer sind also viele Parteien am Start, die alle überzeugen können.
Und unterm Strich kann das auch der gesamte Film.
Wer in diesen kalten Tagen ein wenig Lust auf Wärme und etwas Realitätsflucht hat, ist mit einem Kinoticket für „Das Kabinett des Dr. Parnassus" bestens beraten. Ein würdiger Abschied von einem großen und großartigen Schauspieler ist er dazu auch noch.
Januar 2010
007elix gibt dem Film 5 von 7 Siebenen