Originaltitel: Avatar
Herstellungsland: USA / UK 2009
Länge: 162 min.
Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi
Zoe Saldana als Neytiri. ##Fotos: Filmveranstalter##
Die Geschichte ist im 22. Jahrhundert angesiedelt, wo die Menschheit ihre Ressourcen nahezu aufgebraucht hat und somit den Planeten Pandora um seine reichhaltigen Rohstoffe erleichtern will. Das Problem besteht darin, dass Pandora von den einheimischen Na´vi bevölkert wird und diese ihr Land zu verteidigen wissen.
Um aber das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen und sie somit zu überlisten, soll der querschnittsgelähmte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) mithilfe eines Avatars den Planeten erkunden. Ein Avatar ist ein heran gezüchtetes Ebenbild eines Menschen, der den Na´vi identisch ist. Doch Jake verliebt sich, mit seinem Geist den Avatar auf Pandora steuernd, in die Na´vi Neytiri (Zoe Saldana)...
James Camerons Karriere beginnt fulminant und mit Filmen wie „Terminator" 1984, „Aliens" 1986 und „The Abyss" 1989 legt er den Grundstein für seine Spezialitäten in Sachen Action und Science Fiction. Untermauern wird er das 1991, mit seinem bis dahin stärksten Film „Terminator 2". Hier wird klar, was für ein Genie Cameron ist und dass er im Bereich Technik und Innovation schon früh ganz vorne mitspielen will. Für damalige und auch noch heutige Verhältnisse sind die Effekte in „T2" spektakulär.
Cameron gibt Worthington Regieanweisungen
Der Paukenschlag dann 1997: Titanic. Alle Rekorde werden gebrochen, James Cameron investiert sein komplettes Gehalt, um den Film fertig stellen zu können und gewinnt alles. Er wird König der Welt, finanziell in allen Belangen unabhängig und hat der gesamten Menschheit bewiesen, dass er auch im anderen Genre genial ist. Fortan geht er nur noch seiner Leidenschaft nach: dem Tauchen, dreht dabei diverse Unterwasser-Dokus und entzieht sich somit auch gleichzeitig dem Erwartungsdruck einen ebenbürtigen Film abzuliefern.
Wie kam es zu Avatar?
Nach eigenen Angaben schreibt James Cameron 1994 den ersten 80seitigen Drehbuchentwurf. 1996 schließlich will er mit seinem Film in Produktion gehen, doch der Kostenvoranschlag der Produktionsfirma fällt zu hoch aus: satte 400 Mio. Dollar soll Avatar kosten - für damalige Verhältnisse unmöglich. Das Projekt wird komplett auf Eis gelegt. Außerdem lässt Cameron nach seinem Erfolg mit „Titanic" verkünden, dass er künftig nur noch in 3D produzieren wird.
Die Jahre vergehen und die Technik entwickelt sich rasend schnell. Doch auch das Performance-Capture-Verfahren, was Regisseure wie Robert Zemeckis für Filme wie „Der Polarexpress" und „Die Legende von Beowulf" verwenden, reicht James Cameron nicht aus, um seine Vision Wahrheit werden zu lassen. Es werden Gesichtsmimiken von echten Darstellern gescannt und auf virtuelle 3D-Modelle übertragen - zu künstlich wirken die Bilder, findet Cameron.
Dann ein Lichtblick: Peter Jackson gelingt es, mit Gollum eine greifbare Figur zu erschaffen, die lebendiger kaum sein könnte. Nun muss nur noch das 3D-Problem gelöst werden. Cameron entwickelt selbst mit seiner Produktionsfirma die sogenannte Fusion-Kamera. Zwei HD-Kameras werden in einem Gehäuse miteinander verbaut und synchronisiert - das „echte" 3D-Bild ist geboren.
Cameron (Mitte) mit Spielberg und 3D-Kamera
2006 geht James Cameron schließlich in Neuseeland mit Avatar in Produktion: Weta Digital, die zuvor auch schon die „Ringe"-Trilogie realisiert haben, sollen es jetzt also richten. Das Budget schlägt mit satten 200 Mio. Dollar zu Buche und wie gewohnt überzieht Cameron, sodass Avatar schließlich zwischen 230 und 300 Mio. Dollar kostet (die 200 Mio. Dollar fürs Marketing nicht mit einberechnet) - ebenfalls neuer Rekord.
Die Kollegen Steven Spielberg und Peter Jackson sind so beeindruckt, dass sie ihre nächsten Projekte auch mit diesem Verfahren produzieren.
Zugegebenermaßen waren die Erwartungen extrem hoch. Auch Kritiker puschten Avatar zur technisch größten Revolution, die das Kino seit der Einführung des Farbfilms, gesehen hat. Auch die Tatsache, dass Cameron seit 12 Jahren keinen Film mehr gedreht hat und der Starttermin von Avatar bereits eineinhalb Jahre vorher fest stand, machen die Angelegenheit nicht gerade zu einer einfachen.
Das Filmplakat
Ich muss zugeben, dass auch ich mich mit meinen Erwartungen sehr im Zaum halten musste. Gerade auch deshalb, weil vorher schon der große David Fincher mit seinem „Benjamin Button" alles zunichte machte, was er sich so mühsam aufgebaut hatte.
Soviel vorab: Avatar funktioniert. Die Geschichte ist wahrlich recht einfach und teils auch vorhersehbar geraten, aber was am Ende übrig bleibt, sind offene Kinnladen soweit das Auge reicht. Die Story wirkt beim Zuschauer und - das Entscheidende - man nimmt den gerenderten Figuren ihre Konflikte ab. Die 162 Minuten weisen kaum Längen auf. Immer wenn man gerade den Gedanken bekommen will „na jetzt wird es aber etwas langatmig", kommt Cameron zur Sache - und wie!
Die Welt von Pandora, in die wir eingeführt werden, ist so wunderschön wie auch komplex, aber eben immer detailreich und mit sehr viel Liebe konstruiert - man muss sich diesen visuellen Orgasmus einfach auf der Netzhaut zergehen lassen. Da gibt es die Na´vi, die eine eigene Kultur mit eigenen Sitten und Bräuchen pflegen und ihre eigene Sprache sprechen. Sie sind den Menschen sehr ähnlich, nur sind sie wesentlich größer, haben einen Schwanz, goldene Augen und aufgrund der Atmosphäre eine blaue Hautfarbe. Jeder Na´vi hat seinen ihm vorbestimmten „Drachenvogel" (keine Ahnung wie diese Viecher heißen)... Jedenfalls gibt es eine Menge zu entdecken auf Pandora.
Zeichnung einer Szene
Das sanft eingesetzte 3D tut natürlich sein Übriges. Anfangs wirkt es noch ein wenig künstlich, aber dann entfaltet es die gesamte Kraft von Camerons fantastischen, wirklich fantastischen Bildern. Nie werden bewusst Gegenstände ins Publikum geworfen - alles wird nur unterstützend und dezent eingesetzt, ähnlich wie auch schon in Pixars „Oben".
Die Kamera bleibt immer real und fährt nicht durch irgendetwas hindurch. Selbst Licht fällt ins Objektiv und unterstürzt als Lensflair die „reale" Fantasywelt im Kopf des Zuschauers. Das alles ist dann auch 1a zusammengeschnitten. Manchmal sind die Bilder sogar zu perfekt.
Klar rutscht Avatar zwei- bis dreimal knapp am Kitsch vorbei und auch die Figuren sind ziemlich stereotyp. Dazu kommt der ab und an klischeehafte, einfach wirkende Dialog, der bei den Amerikanern beheimatet ist. Avatar hat seine Qualitäten an anderen Stellen.
Neytiri & Jake
Was bleibt sind auf jeden Fall keine Kopfschmerzen und das, obwohl es keine Pause gab. Aber es gibt die Erkenntnis, dass uns mit 3D noch viel Neues, Interessantes und hoffentlich Gutes bevorsteht.
Wer mit meiner Kritik nicht recht einverstanden ist, geht besser zu den arroganten Fünf Filmfreunden - die zerreißen gerne mal gute Filme. Ansonsten sei noch eine seriösere Quelle empfohlen: Roger Ebert gehört zum harten und guten Eisen, was Filmkritiker anbelangt. Seine Reviews lest ihr hier auf seinem Blog.
Fazit: Ein wahrlich berauschendes und sinnliches Fest, dass den Spagat zwischen Kunst, Technik und Geschichte souverän meistert.
20.12.2009
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